Erfolgreiches agiles Arbeiten setzt ein bestimmtes Arbeitsumfeld voraus. Werte spielen dabei eine zentrale Rolle, denn sie prägen die Organisation. Sie sind deutlich wichtiger als Tools und Methoden. Oder andersherum gesagt: Wer die richtigen Techniken einsetzt, muss noch lang nicht agil arbeiten. Aber welche Werte unterstützen Agilität im Unternehmen am besten? Unserer Erfahrung nach sind das Wertschätzung, Vertrauen, Transparenz, Experimentieren und Lernen, Sicherheit sowie wert- und sinngetriebene Ergebnisse.

Wertschätzung ist der Nährboden für erfolgreiche Zusammenarbeit

Respekt oder Wertschätzung und Austausch auf Augenhöhe – und das unabhängig von Hierarchiestufen oder Verantwortungsbereichen – sind wesentlich für erfolgreiches agiles Arbeiten. Das ist vor allem eine Frage der Haltung. Uwe Lübbermann von Premium Cola nennt es Gleichwertigkeit. Jede und jeder Einzelne in seinem Unternehmen wird gleichwertig behandelt. Das ist keine Nivellierung nach unten, sondern Wertschätzung für jeden auch noch so kleinen Beitrag, der gebraucht wird, um das Unternehmen als Ganzes erfolgreich zu machen. Darüber muss geredet werden. Kommunikation ist zentral, um diesen Wert hochzuhalten.

Vertrauen ist der Dünger menschlicher Kooperation

Vertrauen hat viel mit Zutrauen zu tun: wer davon überzeugt ist, dass Menschen gerne arbeiten und Verantwortung übernehmen wollen, wird selten enttäuscht werden. Schon kleine Kinder wollen gerne selbst tun und sich nicht bevormunden lassen. Wer erlebt, dass die Kolleginnen und Kollegen Vertrauen in seine Lösungskompetenz haben, der geht mit Selbstbewusstsein auch an schwierige Aufgaben heran und entfaltet so seine Fähigkeiten und Fertigkeiten am besten. Und erst bei einer stabilen Vertrauensbasis entwickeln Menschen den Mut, Probleme offen anzusprechen und Kritik zu üben. Und das wiederum brauchen wir, um wirklich agil arbeiten zu können. 

Transparenz fördert intrinsische Motivation

Agiles Arbeiten bedeutet, dass Hierarchieebenen abgebaut werden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter operative Entscheidungen selbst treffen und klassische Kontrolle von oben radikal reduziert wird. Voraussetzung ist der Zugang zu allen relevanten Informationen, die jemand braucht, um gute Entscheidungen treffen zu können. Eine Kultur der Transparenz heißt: was trägt dazu bei, dass alle entsprechend ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten an der Umsetzung von Kundenwünschen arbeiten können und wollen? Darüber wird offen geredet und manchmal auch gestritten, solange, bis die beste Lösung gefunden wurde. Das motiviert zu Bestleistungen.

Mut zum Experimentieren und Lernen

Neue Wege zu gehen bedeutet auch, neue Dinge zu entdecken und neues Wissen aufzubauen. Das erfordert Neugier, Offenheit und Mut. Aber auch Reflexion ist wichtig, um aus dem neuen Wissen die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Neugier ist der Drang, Neues zu finden, auszutesten und kennenzulernen. Offenheit ist das Gegenteil von Not-invented-here. Ohne Offenheit für neue Ideen, andere Ansichten, Feedback und Kritik kann nichts Neues entstehen. Es gehört Mut dazu, neue Wege zu gehen, denn das Neue ist unbekannt und birgt das Risiko des Scheiterns in sich. Wo jedoch transparent mit Learnings umgegangen wird und eine wertschätzende und vertrauensvolle Haltung zu Grunde liegt, fällt auch ehrliches Feedback und Reflexion leichter. Wir lernen dann schneller, das Risiko wird immer kleiner und die Kompetenz des Problemlösens immer stärker.

Sicherheit stärkt Mut und Entdeckerfreude

In Forschung und Entwicklung gehören Fehler, Rückschläge und Misserfolge dazu. Genauso ist es auch beim agilen Arbeiten. Es gibt den einen richtigen Weg nicht. Immer wieder neue Situationen erfordern auch immer wieder neue Wege und neue Lösungen. Dazu gehört auch, dass Teams sich verzetteln, Sackgassen einschlagen oder Vorgaben nicht einhalten können. Die gute Nachricht: das ist nicht das Ende. Agile Teams lernen aus ihren Misserfolgen, die in Wirklichkeit gar keine sind. In Wahrheit sind sie kleine Schritte hin zum Erfolg. Ganz wichtig: die Sicherheit, dass nicht nach Schuldigen gesucht wird. Was passiert, wenn dieses Denken nicht Teil des Wertesystems einer Organisation ist? Es regiert die Angst vor Fehlern oder Misserfolgen und ihren realen oder befürchteten Konsequenzen. Niemand geht ein Risiko ein, es ist sicherer, bereits bekannte, erprobte Wege zu beschreiten. Das führt zu statischer Arbeit, also dem Gegenteil von agil.

Werte und Sinn sind starke Treiber

Gute Teamarbeit ist kein Selbstzweck, vielmehr bündelt sie Wissen und Erfahrung, damit marktfähige Produkte und Dienstleistungen entstehen können. Am Ende muss das Ergebnis passen, der Kunde muss genau das bekommen, was er braucht, idealerweise wird er sogar überrascht. Agiles Arbeiten orientiert sich vorrangig an den Kundenbedürfnissen. Kunden werden gefragt, Lösungen werden mit ihnen gemeinsam entwickelt. Was schon immer da war und immer schon so gemacht wurde, wird hinterfragt – immer in Hinblick darauf, ob es dem Kundennutzen dient. Es geht weniger darum, uns mit uns selbst zu beschäftigen, als darüber nachzudenken, wie wir unsere Kunden wirklich glücklich machen können.

Warum diese Werte?

Aus unserer Sicht sind das die wichtigsten Werte für agiles Arbeiten. Sie sind nicht in jedem agilen Umfeld gleich hoch ausgeprägt, denn es kommt auch auf die Menschen an, die nach den agilen Prinzipien arbeiten. Da kann es schon vorkommen, dass auch noch andere Werte geschätzt werden. Eines haben sie jedoch alle gemein: sie fördern ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis aller Stakeholder, ermöglichen schnelles Lernen, gewährleisten Einfachheit und unterstützen dynamische Teamarbeit.