Lass uns eine kurze Fantasiereise zurück in deine Zeit als Student:in machen: Es ist September – Start des Studiums, Wintersemester. Draußen fallen die ersten Blätter von den Bäumen und die Sonne hat sich für die nächsten sechs Monate auf die Südhalbkugel verabschiedet. Du hast dich voller Vorfreude und Motivation für dein erstes Seminar angemeldet, bei dem dich das Thema ganz besonders interessiert.

Doch schon beim ersten Termin merkst du, dass alle, mit denen du in der Universität zu tun hast, nur eines im Sinn haben: Dir das akademische Leben möglichst schwer und ungemütlich zu machen. Es fängt damit an, dass beim ersten Seminartreffen ein Großteil der Studierenden aufgrund einer nicht endenden PowerPoint Frontalbeschallung auf ihren Laptops einschlafen. Bei der Vergabe der Gruppenarbeiten merkst du, dass niemand in deiner Gruppe wirklich Bock hat, zusammen euer Thema zu einem coolen Projekt zu entwickeln und Klaus, der Alpha-Kommilitone, hat sowieso schon die Gruppenführung an sich gerissen. Doch das Schlimmste – du wirst es in vier Monaten wissen – steht dir noch bevor: Denn neben dem regulären Arbeitspensum, das ohnehin schon nur durch literweise Red Bull leistbar ist, musst du eine 30-seitige Abschlussarbeit schreiben über ein Thema, das du dir nicht selbst ausgesucht hast, für eine:n Dozent:in, die du so gut wie nie siehst, und für Leser:innen, die es nie geben wird.

Ok, besser doch schnell zurück in die Gegenwart! Natürlich hoffen wir, dass du solch eine watzlawick‘sche Unglückssituation nie erfahren musstest. Aber ein bisschen Wahrheit steckt schon darin, oder? Zusammen mit 23 Student:innen der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg, unter der Leitung von Michael Hoeschl und Wolfgang Voigt, haben wir mit fifty1 deshalb einen Gegenentwurf gebaut: Ein agiles Projektseminar über agiles Projektmanagement.

Die Idee dahinter: Die Studierenden entwickeln in einem SCRUM-ähnlichen Vorgehen Prototypen für Beratungsprodukte zum Thema „Digiloge Arbeitsweisen“. Schließlich ist gerade kaum jemand mehr von Webmeetings und digitalem Lernen betroffen als Student:innen und Dozent:innen.

Die Prämissen: Die Studierenden arbeiten dabei vollkommen selbstorganisiert auf Basis von User Stories. fifty1 als Kunde und Auftraggeber der Produkte gibt lediglich Anforderungen vor. Drei Projektgruppen entwickeln die Prototypen zu den Themen “Remote Leadership”, “Digiloges Arbeiten” und “Blended Trainings”. Eine vierte Projektgruppe erstellt einen Design-Thinking-Prozess, unterstützt die anderen Gruppen durch individuelles Coaching und wählt die passenden Tools.

Der Prozess: Nach einem Kick-Off Meeting mit allen Studierenden geht es los: User Stories definieren, Rollen verteilen, Klarheit schaffen, Energie erzeugen. Dann tauchen die Student:innen erstmal ab. Sie führen Interviews mit Kund:innen und Partner:innen von fifty1, machen Online-Umfragen mit bis zu 70 Teilnehmer:innen und sammeln eine ganze Fülle an Informationen, um die Kernherausforderungen des digilogen Arbeitens zu definieren. Nach drei Wochen gibt es das erste Review und Feedback zu den MVPs. Uns war es wichtig hierbei auf Augenhöhe zu kommunizieren und gleichwohl ehrliches wie wertschätzendes Feedback zu geben. Ziemlich schnell merken wir, dass dieser Wunsch nicht auf Einseitigkeit beruht. Unsere Meetings werden zu starken Motivationsfaktoren in der Zusammenarbeit. In den folgenden zwei Reviews präsentieren die Projektgruppen ihre Ergebnisse zu den Interviews und Umfragen, einer umfassenden Marktrecherche sowie ihre Ideen zu den Prototypen. Die Retrospektiven zur Optimierung der Zusammenarbeit führen sie dabei selbstständig durch.

Auf das letzte Review für die Vorstellung der Prototypen waren dann alle mehr als gespannt. Wohl am meisten Gruppe Nummer 4, die das erste Mal vor der Herausforderung einer virtuellen Großgruppenmoderation stand.

Die Ergebnisse:

Das Testing der Prototypen bestand aus drei Teilen:

Im ersten Teil stellt die Gruppe „Blended Trainings“ ihr Konzept zum Einsatz digitaler Gamification-Methoden in virtuellen Trainings vor. In einer Online Olympiade müssen 3 Teams in verschiedenen Challenges ihre Kommunikationsfähigkeiten unter Beweis stellen. Egal ob Entscheidungen treffen (Online Quiz über AhaSlides), Diskussionskultur und Gruppendyanmik (Moralisches Dilemma lösen in Prezi) oder ein Kreuzworträtsel als Energizer (XWords) – in einem strukturierten Rundown inklusive Vorbereitung, Durchführung und Debriefing der Challenges konnten die Studierenden zeigen, wie Teambuilding auch niedrigschwellig durch Gamification in Webmeetings funktioniert.

Der Einstieg war geschafft, die Energie hoch. Also zum nächsten Part: Den machten die Gruppen „Digiloges Arbeiten“ und „Design Thinking“ zusammen. In ihren Interviews hatte erstere Gruppe herausgefunden, dass vor allem das Recruitment in Unternehmen von Kontaktbeschränkungen betroffen ist und – trotz vermehrtem Einsatz digitaler Bewerbungstools – mit fehlender physischer Präsenz bei Bewerbungsgesprächen zu kämpfen hat. Die Herausforderung bestand also darin in einem geführten Design-Thinking-Prozess ein Beratungsangebot für digiloge Bewerbungsgespräche zu schaffen. Dafür wurde in vier Gruppen das Problem definiert, Personas erstellt und haufenweise Ideen generiert (siehe Bilder). Auch wenn es hier nicht mehr zur Umsetzung kam, die vielfältigen Ergebnisse vom digitalen Assessment-Center, über den Einsatz von Visualisierungstechniken zur Vorstellung einer Person bis hin zur Meeting-Checkliste haben uns sehr gut gefallen und laden zur Weiterentwicklung ein!

Eine Person aus dem Recruitment – die Pains and Gains unserer Persona
Brainstorming Ergebnisse einer Gruppe

Im dritten Teil des Testings stellte die Gruppe „Remote Leadership“ ihren Prototyp für einen digitalen Adventskalender zur Führungskräfte-Entwicklung vor. Mehr über diese Idee kannst du HIER in unserem Blogbeitrag lesen.

Über diese spannenden Prototypen hinaus hat sich jede:r Studierende:r ein Thema für eine Seminararbeit zur Vertiefung ausgesucht und eine schriftliche Arbeit in Verbindung mit dem Gruppenthema verfasst. Hier die Arbeiten im Überblick:

Blended TrainingsDigiloges ArbeitenRemote LeadershipDesign Thinking
Lehrmethoden
Kollaborationstools  
KonfliktlösungPrototyping
GamificationDigitale ErfolgsfaktorenFührungsstilePersonas
Artificial IntelligenceBeziehungsaufbau  GamificationCustomer Journey Map
Online SchulungenGruppendynamikInformelle KommunikationSCRUM & Design Thinking
Virtual Reality SCRUM 
Augmented Reality Motivation 
E-Learning Vertrauen 

Kontaktiere uns, wenn eines dieser Themen in deinem Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Wir freuen uns auf deine Nachricht!

Die Learnings aus dem Projektseminar:

  1. Lass Student:innen Freiraum und sie kreieren Gutes und Neues. Das betrifft sowohl die Offenheit in Bezug auf die Ergebnisse als auch auf die selbstständige Arbeit im Entwicklungsprozess. Von den Studierenden haben wir das Feedback erhalten, dass ihnen das Vertrauen und die Ergebnisoffenheit wichtige Faktoren für intrinsische Motivation und die Entfaltung ihrer Kreativität war. Wichtig dabei sind regelmäßige Treffen, in denen sie Fragen stellen und Feedback erhalten können, sowie eine transparente Kommunikation bezüglich der Erwartungen an Zusammenarbeit und Produkt.
  2. Ein agiles Mindset ist in der Universität am richtigen Ort. Hier geht es um Lernen, um das Ausprobieren mit Geist und Hand. Viele Herausforderungen, mit denen Unternehmen im Prozess der Digitalen Transformation kämpfen, können bereits in Schule und Universität vorgebeugt werden: Ein kollaboratives Mindset statt Ellbogenmentalität, interdisziplinäre Zusammenarbeit statt Silo-Denken, eine konstruktive Fehler- und Feedbackkultur statt abstrakter Bewertungen und Finger-Pointing. Und zu guter Letzt die Übernahme von Verantwortung für eigenen Entscheidungen – egal ob in einer Gruppenarbeit, im Unternehmen oder in der Gesellschaft.

Wir danken allen Studierenden des Kurses für die tolle Zusammenarbeit und für all die Arbeit, die sie in die Prototypen für Digiloges Arbeiten gesteckt haben. Wir nehmen uns viel aus diesem Projekt mit und freuen uns bereits auf die nächsten Seminare!

Training

Leading Digital Teams

Effektive und kraftvolle Führung in dynamischen Zeiten

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Digiloges Arbeiten

Die neue Art Meetings mit online & offline Teilnehmer:innen besser zu gestalten

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