Wie schaffe ich es als Führungskraft in meinem Team auch im Home Office Vertrauen und Motivation zu stärken? Worauf muss ich bei einem digilogen Vorstellungsgespräch achten? Was sind die Technologie-Trends und innovativsten Methoden bei Blended Trainings

An Lösungen für diese brennenden Fragen haben 23 Student:innen der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg im Wintersemester 2020/21 intensiv gearbeitet. In einem selbstständig moderierten Design-Thinking-Prozess haben sie in einem Zeitraum von vier Monaten durch dutzende Interviews Probleme definiert, ganze Whiteboards mit Ideen gefüllt und letztendlich Prototypen für ihre Produkte entwickelt. 

Als fifty1 waren wir in den ganzen Prozess als Auftraggeber:innen, Kund:innen und Prozess-Berater:innen eingespannt. Heute möchten wir dir die spannendsten Insights und Produkte aus der Forschungsarbeit der OTH Projektgruppen vorstellen:

Thema 1: Remote Leadership

Eine Umfrage mit 73 Mitarbeiter:innen und 30 Manager:innen hat ergeben welche Merkmale eine:n gute:n Manager:in bei Führung auf Distanz ausmachen: 

  1. Fachliche Kompetenz und Zuverlässigkeit 
  2. Offenheit und die Fähigkeit zuhören zu können
  3. Empathie und verständnisvolle Kommunikation
  4. Persönliches Vertrauen

Auf die Frage, ob sich Mitarbeiter:innen in Zukunft vorstellen können, ausschließlich digital zu arbeiten, antworteten 39,7% mit JA. Führungskräfte schienen hierbei etwas zurückhaltender: nur 20% können sich vorstellen in Zukunft weiterhin remote zu führen. Gefragt nach den größten Herausforderungen gaben Manager:innen an, dass menschlicher Kontakt ausschlaggebend sei für die Koordination, den Beziehungsaufbau zum Team (v.a. intensive Gespräche), den Ausdruck von Wertschätzung und dem Vorbeugen von Vereinsamung einzelner Mitarbeiter:innen. 

Aus der Umfrage ging weiters hervor, dass besonders diejenigen Führungskräfte eine hohe Zufriedenheit zeigten, die in agilen Arbeitsstrukturen organisiert sind: SCRUM-Teams zum Beispiel, die regelmäßig in Retrospektiven ihre Arbeitsstrukturen reflektieren und optimieren, konnten ihre Arbeitsweise im Home Office schneller anpassen – was auch Führungskräfte stark entlastete. Darüber hinaus konnten diese mehr Verantwortung delegieren, hatten eine starke Kommunikationsstruktur (z.B. durch Dailys), schafften durch sichtbare Ergebnisse Motivation und nahmen in der Kommunikation mehr Transparenz wahr. 

Auf Basis dieser vielfältigen Erkenntnisse entwickelte das Projektteam einen Prototypen für ein Produkt, das Manager:innen in verteilten Teams die Arbeit leichter machen soll: den Remote Leadership Adventkalender.

Dieser bietet in 24 „Mini-Challenges“ kleine Impulse, Wissens-Nuggets und schnell anwendbare Methoden, die Führungskräfte direkt in ihrem Arbeitsalltag umsetzen können. Vom Erstellen einer Meetingstruktur über Feedback-Leitfäden bis hin zu einer Onboarding-Checkliste werden die Führungskräfte jeden Tag von neuen Inputs überrascht und herausgefordert. Wir sind gespannt, was aus dieser tollen Idee wird und sind zuversichtlich, dass du dir den Remote Leadership Adventskalender noch dieses Jahr an deine Wand hängen kannst (egal ob im Büro oder zu Hause).

Ein Bild, das Text enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Ein erster Entwurf zu den Weihnachtskalender Challenges der Gruppe Remote Leadership

Thema 2: Digiloges Arbeiten

Digiloge Arbeitsweisen stellen nicht nur für eingespielte Teams eine Herausforderung dar. Auch ein Bewerbungsgespräch, in dem die Recruiter:innen im Büro und die Bewerber:innen in ihrem Wohnzimmer sitzen, sorgt für technische Hürden und unübersichtliche Gruppendynamiken. Wie zeige ich den Bewerber:innen das Büro und damit auch die Unternehmenskultur? Kann der Wegfall nonverbaler Kommunikationssignale sinnvoll kompensiert werden? Und gibt es Visualisierungsmethoden, um gemeinsam die nächsten Schritte festzuhalten? 

Während klassische Videointerviews durch Versammlungsbeschränkungen kaum einen Anstieg erfahren haben, ist der Einsatz vieler anderen digitalen Tools während Corona explodiert: Chatbots, Textanalysen oder E-Assessment-Tools werden viel häufiger verwendet als je zuvor1.

Beim Einsatz dieser neuen Tools zählt jedoch weniger das WAS, sondern das WIE: Natürlich können im Sinne der Effizienz digitale Tools wie Chatbots gewinnbringend eingesetzt werden. Gleichzeitig ist auch in digitalen Settings menschliche Kommunikation der Schlüsselfaktor für eine gute Personalentscheidung. Und eben diesen gilt es in einem Vorstellungsgespräch bewusst zu gestalten. Das sehen auch die Bewerber:innen so: „Fast zwei Drittel sind der Ansicht, der Bewerbungsprozess sollte bis zum Vorstellungsgespräch digital ablaufen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wollen sie mit einem Menschen interagieren.“1

Die Schlussfolgerung: Digiloge Bewerbungsgespräche brauchen noch mehr Fokus auf Moderation. Neben fachlichem Austausch ist es zunehmend wichtig, eine angenehme Gesprächsatmosphäre herzustellen und den virtuellen Raum aktiv zu gestalten – beispielsweise durch eine kurze Videotour durchs Büro. 

Thema 3: Blended Trainings

Der gemischte Einsatz digitaler und analoger Kommunikationsmethoden für Trainings erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Grund dafür sind auch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Gamification-Tools und VR- bzw. AR-Applikationen.2, 3 Diese werden nicht nur bei Rundgängen von Häusern oder virtuellen Konzerten eingesetzt, sondern finden zum Beispiel auch in der Ausbildung von Lehrlingen in der Automobilindustrie seit mehreren Jahren erfolgreich ihren Einsatz.

In Interviews und einer umfassenden online Umfrage fand die OTH Projektgruppe aber heraus, dass es vielen Trainer:innen und Teilnehmer:innen von Blended Trainings doch auf etwas Anderes ankommt: Die Basics. Auf die Frage, was ihnen in online Trainings besonders wichtig ist, kamen folgende Erfolgsfaktoren zum Vorschein:

  1. Gute Audio- und Videoqualität: Flüssige, rudimentäre Kommunikationskanäle sind nach wie vor der Schlüsselfaktor für ein erfolgreiches online Training. Austausch und dialogisches Lernen sind aus didaktischer Sicht ausschlaggebend. Diese lassen sich oft einfacher umsetzen als gedacht. Das zeigt sich auch daran, dass Breakout Sessions und Gruppenarbeiten vielfach genannt wurden.
  2. Darstellung von Inhalt und Struktur: In online Meetings sitzen wir mehr und wir sind durch die Bildschirmarbeit schneller angestrengt. Das führt schneller zu Ermüdung. Für das graphische Aufbereiten von Wissen bedeutet dies: nur essentielle Informationen, schneller auf den Punkt kommen, Animationen und Methodenvielfalt nutzen. Überfüllte PowerPoint Präsentationen, die schon physisch die Kolleg:innen vom Hocker fallen lassen, können die Lernmotivation schnell zerstören. Stattdessen treten wenige, wichtige Bulletpoints, ein abwechslungsreicher Medieneinsatz und mehr Pausen sowie kürzere Formate in den Vordergrund. 
  3. Interaktive Methoden: Aus demselben Grund sollte für ständige Interaktion gesorgt werden. Das muss nicht immer ein extra Tool oder eine digitale Gamification-Methode sein. Vielmehr geht es um regelmäßiges interagieren und Nachfragen: Habt ihr das verstanden? Bin ich zu schnell oder zu langsam? Was ist euch wichtig im Training?

Wir bedanken uns bei allen Student:innen dieses Kurses für die spannenden Ergebnisse und die starke Leistung und freuen uns bereits jetzt auf das nächste Projektseminar!

Wenn ihr mehr zu unserer Umsetzung agiler Arbeitsweisen im Umfeld der OTH Regensburg erfahren wollt, lest nächste Woche Part 2 dieses Projektes. Dort erzählen wir, wie sich agiles Arbeiten in der Universität erfolgreich umsetzen lässt!

Training

Leading Digital Teams

Effektive und kraftvolle Führung in dynamischen Zeiten

Training

Digiloges Arbeiten

Die neue Art Meetings mit online & offline Teilnehmer:innen besser zu gestalten

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