Die Krise ist ein Brandbeschleuniger in Sachen Digital Leadership. Remote arbeitende Teams leisten viel, aber zu einem hohen Preis: Ein relativ neues Stichwort dafür ist Entgrenzung. Es wird viel und gut gearbeitet. Was soll daran schlecht sein? Wenn jedoch die Grenzen zwischen Arbeit und Privat verschwimmen, leidet irgendwann die Produktivität und das persönliche Wohlbefinden. Isolation senkt emotionales Wohlbefinden, Innovationsbereitschaft, Produktivität und führt zu emotionaler Erschöpfung.

Viel geleistet, viel geschafft

Viele Unternehmen sind gut durch die Krise gekommen. Sie haben den Elchtest erfolgreich bestanden, weil viele Menschen in ihren Jobs sehr resilient waren. Sie haben Veränderungen in Rekordtempo bewältigt, Dinge angepackt und umgesetzt. Sehr viele lernten viel Neues und nutzten die Chance, etwas auszuprobieren. Und das trotz des Handicaps Homeoffice. Oft genug war und ist es eine Gratwanderung „zwischen Aufbruchstimmung und Isolation“, wie eine aktuelle Studie der Universität St. Gallen die Situation eindrucksvoll beschreibt. 

Aktiv Isolation verhindern

Diese Gefahr sehen wir in unserer Arbeit in Unternehmen auch und fühlen uns von der Studie bestätigt: Knapp die Hälfte der Befragten fühlte sich schon im Frühjahr 2020 alleingelassen. Ein Wert, der unserer Erfahrung nach noch gestiegen ist. Menschen können in Spitzenzeiten viel leisten, viel verkraften, aber irgendwann geht ihnen die Luft aus. Doch wir sehen immer häufiger eine „Friss oder stirb“-Mentalität. Gut für alle, die die aktuelle Zumutung gut verkraften, die anderen haben eben Pech. Pech hat aber auch das Team, der Bereich, das Unternehmen: Die Produktivität leidet.

Das Gefühl, isoliert zu sein, senkt das emotionale Wohlbefinden, die Innovationsbereitschaft und die Produktivität signifikant. Die St. Gallener Studie weist nach, dass das bei 42 % der Befragten zu emotionaler Erschöpfung führt. Das Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung kommt aktuell viel zu kurz. Das führt zu Vertrauensverlust und die Motivation sinkt. Teeküche und Kantine, das Zwischen-Tür-und-Angel etwas erzählen, der Small-Talk vor oder nach Meetings … alles weg. Die gewohnten informellen Begegnungsorte gibt es gerade nicht.

So stärkst du den Teamzusammenhalt 

Es ist eine der zentralen Aufgaben von Führungskräften, Teamzusammenhalt und Vertrauen zu stärken. Auch beim virtuellen Führen. Im fifty1-Rollenmodell für Digital Leadership halten wir die Rolle als Netzwerker:in für zentral. Auch im virtuellen Raum lassen sich Begegnungsorte etablieren. Wie das geht? Wir empfehlen unsere gut gefüllte agile Toolbox. Sie enthält praxisbewährte Methoden, mit denen Führungskräfte der Isolation effektiv entgegenwirken, Motivation und Leistungsfähigkeit des Teams stärken können. 3 der zahlreichen Hands-On-Tools stellen wir hier vor: Check-In und Check-Out, Walk and Talk und den Appreciation Circle.

  • Check-In und Check-Out: Eine kurze Runde zu Beginn eines Meetings, alle sagen etwas Persönliches zu Fragen wie: Was beschäftigt mich heute? Was muss ich erst loslassen, bevor ich ganz bei der Sache bin? Was brauche ich für ein gutes Meeting? Durch das Aussprechen emotionaler Aspekte kann der Kopf frei werden für das bevorstehende Meeting. Außerdem erlaubt es allen anderen einen Blick hinter die Kulissen und macht den Menschen hinter der Rolle sichtbar. Das verbindet. Wer Eisbrecherfragen sucht, wird auf unserer Website fündig. Am Ende des Meetings steht das Check-Out auf der Agenda. Wieder geht es um etwas Persönliches, diesmal eher inspiriert durch Fragen wie: Was hat mir im Meeting gut gefallen? Worüber bin ich froh? Was will ich euch sonst noch sagen?
  • Walk and Talk: Bei diesem Tool wird es noch persönlicher. Zwei Teammitglieder vereinbaren einen Telefontermin und gehen „miteinander“ spazieren. Dabei erzählen sie sich gegenseitig, wie es ihnen gerade geht. Jedes Thema ist erlaubt, nur nichts Berufliches. Offene Fragen sind am besten: Wie geht es dir? Was beschäftigt dich? Was steht bei dir an? Dauer: maximal 20 Minuten, natürlich in der Arbeitszeit. Bei diesem Tool ist der organisatorische Aufwand etwas höher. Wer mit wem spricht, wird nach dem Zufallsprinzip entschieden, jede Woche anders. Dafür muss jemand sorgen, ebenso wie für das rechtzeitige Blockieren der Termine in den Kalendern. Für das Matching gibt es ein Tool.
  • Appreciation Circle: Alle Teilnehmenden sprechen jemandem im Team Dank für etwas ganz Konkretes aus. Da heißt es zum Beispiel: „Danke Evelin, dass du mich bei dem Termin vertreten hast, weil ich Homeschooling mit den Kindern machen musste. Du hast mir damit sehr geholfen.“ oder „Danke Hans, dass du so schnell und unkompliziert in das Projekt hineingesprungen bist. Du hast es dadurch gerettet.“ Jede und jeder kommt dran, auch wenn manche beim ersten Mal vielleicht ein Stück ihre Komfortzone verlassen müssen. Das Tool stammt von Simon Sinek, sein Team schwört drauf.

Unser Tipp: Digital Leadership ist absolute Führungsaufgabe

Ganz wichtig: Diese Tools funktionieren nur, wenn die Führungskraft voll dahintersteht, mitmacht und konsequent dranbleibt. Weil sie an jede und jeden Einzelnen im Team glaubt. Ihre Haltung, die Qualität ihrer Führung entscheidet über die Performance. Es ist wie bei Fitness, jeder der täglichen 10.000 Schritte trägt zum Fitsein bei. Jede Maßnahme, die das Vertrauen im Team stärkt, macht es sicherer und resilienter. Jedes der beschriebenen Tools fördert den Austausch persönlicher Sichtweisen. Das schweißt das Team zusammen, macht es sicher und leistungsfähig. 

Digital Leadership ist auf solche Tools angewiesen, weil sich Teeküche und Gespräche über Persönliches im virtuellen Raum nicht zufällig ergeben. Es sind die digitalen Leader, die bewusst dafür sorgen, dass Begegnungen möglich sind. Rundum sind Menschen erschöpft, überfordert und frustriert. Sie fühlen sich alleingelassen. Das muss nicht sein. Mach du es besser.

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Die neue Art Meetings mit online & offline Teilnehmer:innen besser zu gestalten

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