„Bestehen Sie auf den Instanzenweg. Erlauben Sie keine Abkürzung, um Entscheidungen schneller herbeizuführen. – Weisen Sie Aufgaben den Gremien zu. Gremien sollten möglichst groß sein, nie weniger als 5 Mitglieder. – Feilschen Sie endlos um präzise Formulierungen. – Mahnen Sie zur Vorsicht und besonnenem Vorgehen. Weisen Sie immer wieder darauf hin, dass übereilt getroffene Entscheidungen später zu Problemen führen könnten. – Stellen Sie bereits getroffene Entscheidungen in Frage. – Hinterfragen Sie die Zuständigkeit von Personen oder Gremien für eine Entscheidung.“ Wer könnte das gesagt haben und was hat das alles mit agilem Arbeiten zu tun?

Arbeiten große Organisationen wie der Secret Service?

Diese Aussagen stammen aus einem Handbuch zur Sabotage aus einem Dokument des U.S.-amerikanischen Geheimdiensts aus dem Jahr 1944, also aus einer ganz besonders kritischen Phase unserer Geschichte. Sie waren für Menschen in besetzten Gebieten gedacht. Die Zivilbevölkerung sollte zwar scheinbar kooperieren, aber doch alle Mittel einsetzen, um der feindlichen Macht direkt und indirekt zu schaden.

Hand aufs Herz: könnten sie nicht genauso gut die Realität in einem Konzern oder einer großen Verwaltungseinheit abbilden? Je größer Organisationen werden, umso schwerfälliger werden sie auch. Von agilem Arbeiten kann da häufig nicht einmal im Ansatz die Rede sein! Vielmehr werden tendenziell destruktive Verhaltensmuster tagtäglich gelebt. Sehr häufig geht es darum, keine Fehler zu machen, man will ja schließlich nicht negativ auffallen. Auch wenn wir nicht bewusst sabotieren wollen: das Hinausschieben und Hinterfragen von Entscheidungen, das Feilschen um Formulierungen, das Befassen vieler mit Fragen, die Einzelne schneller und häufig sogar besser entscheiden könnten – all das führt zur viel beklagten Trägheit und letztlich zu Nachteilen im Wettbewerb.

Agiles Arbeiten ist das Gebot der Stunde

Der erste Schritt ist das Erkennen, das die ausufernde Bürokratie hinderlich ist. Besser rechtzeitig und nicht erst, wenn der Markt für die Produkte und Services wegbricht. Bürokratie ist wie ein wucherndes Geschwür, sie breitet sich immer weiter aus, wenn nicht systematisch dagegen vorgegangen wird. Nur noch wenige Unternehmen können sich darauf verlassen, dass Weiter-wie-bisher ihnen nicht das Genick brechen wird.

Viele Unternehmen sind aber schon auf einem guten Weg und fördern agiles Arbeiten. Sie schaffen eine Kultur, in der Einzelne Sinn in ihrem Tun sehen, Zugang zu mehr, manchmal auch zu allen verfügbaren Informationen bekommen und mehr Verantwortung übernehmen. Sie lassen zu, dass so viele Entscheidungen wie möglich in jenen Teams und von Mitarbeitern getroffen werden, welche die Situation am besten beurteilen können und nicht von Entscheidungsträgern, die laut Hierarchie dazu ermächtigt sind. Um agiles Arbeiten wirklich erfolgreich einzusetzen, braucht es ein positives Menschenbild, hohe soziale Kompetenz und Lernen aus Erfahrungen. Vor allem gehören jedoch Mut und Vertrauen dazu, zwei unverzichtbare Kulturelemente. Zusammengefasst könnte man sagen, nur wer in seinem Handeln diesen Werten folgt, kann auf die sich immer schneller ändernden Anforderungen des Marktes flexibel reagieren.